Vor- und Nachteile der Grunderwerbsteuer

Zum 01. Januar 2015 wird die Grunderwerbsteuer wieder in einigen Bundesländern erhöht. Mittlerweile wird mehr und mehr Kritik laut, dass die Steuer den Erwerb von Wohneigentum in Deutschland insbesondere für junge Familien erschwere. Im Vergleich mit dem europäischen Ausland, ist die Steuer in Deutschland relativ hoch.

Seit der Föderalismusreform 2006 können die Bundesländer selbst über die Höhe ihres Grunderwerbsteuersatzes entscheiden. Bis auf Bayern und Sachsen, wo der zuvor einheitliche Satz von 3,5 Prozent beibehalten wurde, haben alle Bundesländer von dieser Möglichkeit mehrfach Gebrauch gemacht. Der Spitzensteuersatz für Grunderwerb muss  mit 6,5 Prozent in Schleswig Holstein gezahlt werden. Im Mittel liegt die Grunderwerbsteuer in Deutschland bei 5,2 Prozent.

Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass gerade die finanzschwächeren Länder an der Stellschraube für die Grunderwerbsteuer drehen. So ist laut Angaben des statistischen Bundesamtes der Anteil der Grunderwerbsteuer an den Landessteuereinnahmen von 23,53 Prozent im Jahr 2004 auf 53,31 Prozent im Jahr 2013 angestiegen. Das Pro-Kopf-Aufkommen der Grunderwerbsteuer ist außerdem durch steigende Immobilienpreise ebenfalls gestiegen. Insbesondere in Berlin ist diese besonders hoch. Dort wurde 2005 ein Aufkommen von 76 Euro pro Kopf gemessen, 2013 waren es bereits 206 Euro. Überhaupt hat Berlin seine Einnahmen in diesem Zeitraum um 200 Prozent gesteigert. Aber auch die Bundesländer, in denen bisher keine Erhöhung der Grunderwerbsteuer stattfand, können sich über Mehreinnahmen freuen.

Die Absicht hinter der Erhöhung der Grunderwerbsteuer ist dabei leicht zu erkennen. Der Landeshaushalt soll stabilisiert werden. Dabei setzt man auf steigende Immobilienpreise und finanzkräftige Investoren, die hierzulande Immobilien kaufen. In letzter Zeit wird jedoch immer mehr Kritik an dieser scheinbar einfachen Rechnung laut. Leidtragende der Steuer seien eher junge Familien, die ein Eigenheim erwerben und dieses als Investition in die Altersvorsorge sehen. Investoren würden meistens Mittel und Wege finden, die Steuer doch zu umgehen. Würde die Immobilie vermietet, so sei zu erwarten, dass Mehrkosten beim Erwerb schließlich auf die Mieter umgelegt werden. Diese seien aber durch ohnehin steigende Mietpreise bereits genug belastet.

Außerdem kann man sich in den Ländern nicht auf die Einnahmen durch die Grunderwerbsteuer verlassen. Das hat bereits die Finanzkrise gezeigt, während der die Einnahmen der Länder durch die Grunderwerbsteuer spürbar zurückgingen. In Grenzregionen kann eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer außerdem dazu führen, dass Familien und Investoren lieber in einem Bundesland eine Immobilie erwerben, in dem der Steuersatz niedriger ausfällt.

Das Gleiche Problem ergibt sich, wenn man sich die Steuern für Grunderwerb im europäischen Ausland ansieht. Auch hier liegt Deutschland im oberen Bereich. Beim Anteil von Wohneigentum in der Bevölkerung jedoch im hinteren Feld. Eine regional unterschiedliche Besteuerung ist zudem in anderen Ländern eher die Ausnahme. Der Erwerb von selbst genutzten Immobilien wird von anderen Staaten deutlich mehr gefördert, als dies in Deutschland der Fall ist. Mit dem Wegfall der Eigenheimzulage und der immer höheren Steuersätze für Grunderwerb, wird sich diese Diskrepanz noch verschärfen. Kritiker fordern die Politik daher auf, es Familien wieder leichter zu machen, Wohneigentum zu erwerben, statt ohne Rücksicht auf volle Haushaltskassen zu spekulieren.


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